BGE-Finanzierung kinderleicht veranschaulicht

möglichst mit bge-Bezug, sonst Off Topic

Moderator: Patrick

BGE-Finanzierung kinderleicht veranschaulicht

Beitragvon Pro_BGE » So 7. Feb 2010, 18:26

Bild

Das muss man sich erst mal bewusst machen - Ein BGE ist ja größtenteils bereits finanziert, wenn es eingeführt wird.
Es kommt ja nicht oben drauf, sondern ersetzt bis zu seiner Höhe bestehende Einkommen (sowohl Transferleistungen als auch Löhne/ Gehälter).
Das verstehen - selbst einige BGE-Befürworter - nicht so ganz.

LG Pro_BGE ;)
Benutzeravatar
Pro_BGE
 
Beiträge: 631
Registriert: Mo 9. Feb 2009, 17:42

Re: BGE-Finanzierung kinderleicht veranschaulicht

Beitragvon Riptide » Di 2. Mär 2010, 08:05

Ist das Bild nicht ein wenig irreführend?

bei mir sind direkt weitere Fragen aufgetaucht beim überfliegen:
* Substitution aller Steuerfinanzierten Transferleistungen ist klar.... Alg I - ist das nicht beitragsfinanziert? Das Geld existiert also und wird dann direkt fürs BGE abgezwackt, also behält man diese Beitragszahlungen bei Einführung bei?
* Bafög - ist das nicht ein zurückzuzahlender Kredit? Das Geld kann man dann doch nicht so einfach verteilen an alle.
* "alle Arten von Unterstützung" - naja bietet großes Missbrauchspotential oder?
* 1000 EUR von XYZ-Gehalt? Naja bei gleichzeitigem Abbau von Organisation veringert sich das ja auch drastisch ... wie viel kann diese Finanzierungsquelle dann am Ende wirklich ausmachen? sehr schwer einzuschätzen und in einen konkreten Zahlenwert zu überführen.
* Vollständige kosten des zweiten Arbeitsmarktes + Kosten alle Arbeitsmarkt politischen Subventionen? Gut niemand müsste mehr sinnbefreite 1-EUR Jobs annehmen. Fortbildungen werden dann reine Privatsache richtig?
Ein BGE löst ja das Problem der Massenarbeitslosigkeit nicht, zumal nachwievor genauso viele Menschen um zu wenig Arbeitsplätze konkurieren. Da muss der Staat doch weiterhin in Arbeitsmarkt politische Instrumente insvestieren.

Naja wie gesagt ich find es ein wenig irreführend zumal es so einfach suggeriert das der Finanzierungpot ja schon durch das reine Einsparungspotential gegeben wäre. Das kann unmöglich der Fall sein wenn man die Größenordnungen überschlägt (1000 Mrd. BGE-kosten, 290 Mrd. Bundeshaushalt, Sozialbudget 700 Mrd. (davon nur 1/3 durch Bund + 2/3 beitragsfinanziert) ... etc)
Riptide
 
Beiträge: 16
Registriert: Mi 18. Feb 2009, 18:22

Re: BGE-Finanzierung kinderleicht veranschaulicht

Beitragvon Klaus Binder » Di 2. Mär 2010, 12:43

Hallo Riptide!

Irreführend ist allenfalls die Höhe des BGE-Betrages. 1000 Euro sind auch so hoch, daß von heut auf morgen diverse Organisationen umgewandelt werden müßten. Da wir in einem Rechtsstaat leben, müßten überall entsprechende Gesetze gemacht werden usw, usf.

Nun muß aber der BGE-Betrag am Anfang nicht gleich 1000 Euro betragen. Man kann mit 0,00 € anfangen, und erstmal für jeden Bürger ein (eventuell eingeschränktes) kostenloses BGE-Konto einrichten. Und dann geht es, wie im Schaubild dargestellt: man läßt alles wie es ist, zwackt aber bei allen "Einkommen" z.B. 100 Euro ab, führt es in den großen BGE-Topf und von da aus gehts dann auf die bge-Konten. Warum soll das nicht gehen?
Der Betrag wird dann weiter erhöht. Der erste Effekt wäre eine Verringerung der "Antragsteller" und der "Bedürftigen". Bei 200 Euro, fällt z.B. das Kindergeld, die Kindergeldkasse weg. Desweiteren verkleinern sich die Wohngeldämter, kilometerlange Aktenreihen verkürzen sich, Prozesse und "Mißbrauchsverfolgung" verschwinden. Bei 500 Euro machen sich vermutlich sozialökonomische Effekte bemerkbar: es lohnt sich zusammen zu wohnen, und zwar unabhängig von den sonstigen Einkommensverhältnissen. Auch können auf dieser Grundlage schon Betriebe (auch genossenschaftliche) entstehen...

Das Schaubild soll dabei wohl nur das Prinzip verdeutlichen. Ein Teil der BGE-Freunde propagiert das BGE als Zusatz zum jetzigen Einkommen. Dabei taucht dann sofort die Frage auf: wo soll das herkommen soll. Die Antwort wird gleich mitgeliefert: von den "Reichen". Dabei geht es dann nicht so sehr um die "Armen", sondern mehr darum "Reiche" zu quälen. Das Schaubild sagt dazu einfach nur: künftig hat man zwei Einkommensquellen, eine die immer sprudelt und eine, wie auch heute schon. Beides zusammen ergibt, was man auch jetzt schon hat, bzw was man nach dem BVG-Urteil haben müßte. Die "Politik" hört mit dem BGE auch nicht auf. Also auch, wenn jeder ein BGE erhält, kann man sich mit der Schere zwischen Arm und Reich befassen, wenn es denn sein müßte. Auch bei einem BGE kann man sich z.B. für eine Finanztransaktionssteuer einsetzen, oder das Schwundgeld propagieren. Viel mehr Menschen haben dann überhaupt bessere Möglicheiten am gesellschaftlich-politischen Geschehen mitzuwirken. Genau das sagt das Schaubild indirekt aus.

Riptide hat geschrieben:davon nur 1/3 durch Bund + 2/3 beitragsfinanziert

der Unterschied ist nur ein "künstlicher", ein gedachter, denn auch das 1/3 Bund ist "beitragsfinanziert". Der einzig reale Kern besteht/bestand darin, daß die Einnahmen (Steuern) des Bundes von unsren Volksvertretern entsprechend eingesetzt werden, während die "beitragsfinanzierte" Kohle davon "unabhängig" zweckgebunden verbraten wird. Allerdings funktioniert das schon lange nicht mehr. Wenn das "Beitragsfinanzierte" nicht ausreicht, werden Bundesmittel eingesetzt und wenn die entsprechenden Beitragskassen zufällig im Plus liegen, werden Bundesmittel gekürzt, oder zuvor gezahlte Bundesmittel zurückgezahlt. (Die "Sozialkassen" werden "geplündert").

viele Grüße
Klaus Binder
Klaus Binder
 
Beiträge: 103
Registriert: Mo 30. Nov 2009, 15:30

Re: BGE-Finanzierung kinderleicht veranschaulicht

Beitragvon Pro_BGE » Di 2. Mär 2010, 12:57

Riptide hat geschrieben:* Substitution aller Steuerfinanzierten Transferleistungen ist klar.... Alg I - ist das nicht beitragsfinanziert?

Natürlich ist ALG I beitragsfinanziert; ALG II durch Steuergelder.
Die Zeichnung will doch nur demonstrieren, dass bisherige Transferleistungen bis zur Höhe des BGEs durch das BGE ersetzt werden.


Riptide hat geschrieben: * Bafög - ist das nicht ein zurückzuzahlender Kredit? Das Geld kann man dann doch nicht so einfach verteilen an alle.

Das hast du missverstanden.
Es geht doch darum, dass wenn jeder Bürger ein BGE hat, braucht der, der studieren will, kein Bafög mehr.
Also kann man Bafög abschaffen.
Das BGE geht doch wieder an den Staat zurück:
Einerseits durch den Konsum der Bürger, andererseits profitiert doch der Staat davon, wenn er gut ausgebildete Leute hat (durch BGE kann jeder, der will, sich ein Studium leisten) die dann durch ihre Leistung/ Arbeit im Beruf wieder etwas zur Gesellschaft beitragen.


Riptide hat geschrieben: * "alle Arten von Unterstützung" - naja bietet großes Missbrauchspotential oder?

Das BGE ersetzt bis zu seiner Höhe alle bisherigen Sozialleistungen.
Nur bisherige Sozialleistungen, die höher als ein BGE sind, werden in ihrem Betrag über das BGE hinaus erhalten bleiben.
Beispiel: Ein Schwerbehinderter bekommt heute staatl. Sozialleistungen von 2500€ im Monat.
Das BGE soll 1000€ betragen, also bekommt er bei Einführung des BGEs 1000€ BGE + 1500€ zusätzliche Sozialleistungen.

Missbrauch?
Wie willst du das als „Missbrauch“ bezeichnen, wenn das BGE jedem als Menschenrecht zusteht; so wie das Recht auf Leben.
Es sei denn, du meinst Leute, die suchtabhängig sind und durch das BGE noch mehr Drogen oder Alkohol konsumieren könnten.
Dazu sei gesagt, dass es nicht darum geht, wegen Ausnahmen Politik für Einzelfälle zu machen. Es geht um die Suche nach einer neuen Sozialpolitik, die gesamtheitliche Lösungen für alle ermöglicht.
Dass weiterhin Menschen Hilfe benötigen werden, wird auch mit einem BGE so sein.
Aber nicht mehr in dem Ausmaß wie heute.
Und es wird weiterhin soziale Einrichtungen geben etc. Und wenn du mich fragst – mit einem BGE werden es diese Einrichtungen (Selbsthilfegruppen, Seelsorge etc.) viel leichter haben, weil, wenn jeder ein BGE hat, mehr Zeit für seine Mitmenschen haben wird.
Z.B. kann man mit anderen zusammen eine soziale Einrichtung aufbauen.


Riptide hat geschrieben:Ein BGE löst ja das Problem der Massenarbeitslosigkeit nicht, zumal nachwievor genauso viele Menschen um zu wenig Arbeitsplätze konkurieren. Da muss der Staat doch weiterhin in Arbeitsmarkt politische Instrumente insvestieren.

Das sehe ich nicht so.
Ein BGE würde ermöglichen, die Erwerbsarbeit, die da ist, besser aufzuteilen.
Es gibt zahlreiche Studien, dass viele der Erwerbstätigen gerne weniger arbeiten würden; gleichzeitig haben wir eine hohe Arbeitslosigkeit.
Ein BGE würde ermöglichen, dass Arbeitszeit in Deutschland für den Einzelnen verkürzt werden könnte, ohne dass es für ihn finanziell nicht reicht.
Beispiel: Heute arbeitet jemand 40 Std. pro Woche, mit BGE arbeitet er 30 Std. pro Woche, durch das BGE als Basis hat er aber isges. nicht weniger zur Verfügung und Arbeitgeber können wieder mehr Mitarbeiter einstellen.

Und Hand auf’s Herz – ein Arbeitsamt brauchen wir doch nicht wirklich.
Es gibt Stellenanzeigen, Internet.
Und wenn das nicht genügt – es gibt private Arbeitsvermittlungen.
Und gibt es nicht genügend – ich bin mir sicher, dass so mancher Jobvermittler der BA, der ja dann auch ein BGE haben wird, mit anderen zusammen eine private Jobvermittlung aufmachen wird.


Klaus Binder hat geschrieben:Nun muß aber der BGE-Betrag am Anfang nicht gleich 1000 Euro betragen. Man kann mit 0,00 € anfangen

Sehe ich nicht so.
Das BGE kann bei Einführung bis zu seiner Höhe bestehende Einkommen ersetzen.
Also es müssen nicht gleich 1000€ BGE sein, aber bei 0,00€ anfangen halte ich für überflüssig.
Benutzeravatar
Pro_BGE
 
Beiträge: 631
Registriert: Mo 9. Feb 2009, 17:42

Re: BGE-Finanzierung kinderleicht veranschaulicht

Beitragvon Riptide » Mi 3. Mär 2010, 20:36

Pro_BGE hat geschrieben: Das BGE ersetzt bis zu seiner Höhe alle bisherigen Sozialleistungen.
Nur bisherige Sozialleistungen, die höher als ein BGE sind, werden in ihrem Betrag über das BGE hinaus erhalten bleiben.
Beispiel: Ein Schwerbehinderter bekommt heute staatl. Sozialleistungen von 2500€ im Monat.
Das BGE soll 1000€ betragen, also bekommt er bei Einführung des BGEs 1000€ BGE + 1500€ zusätzliche Sozialleistungen.

Missbrauch?

Naja so wie du's beschreibst sollte es sein. Ich denke aber auch das dies ganz klar gesagt werden muss bei jeglichem Umsetzungsvorhaben.
Es ist ja kein Geheimnis das ein BGE auch beim neoliberalen Flügel auf seine Anhänger stößt und hier wohl eher ein Abbau an Sozialleistungen langfristig zu erwarten ist. Schaut man Richtung liberales Bürgergeld (FDP) dann fällt schonmal der Pauschalisierungsgedanke auf z.B beim Wohngeld, Krankenversicherung etc.. Und was Mehrbedarfe angeht für Kranke und Behinderte so findet man sowohl bei einem liberalen Bürgergeld als auch bei einem solidarischen Bürgergeld(Althaus) deren Erwähnung. Aber ich wäre skeptisch inwiefern hier bei Umstrukturierung vorheriger Leistungen zum Leistungsbündel eines BGEs dann evtl. gekürzt wird.
Das meinte ich mit Missbrauch. Nicht nur über die (zu niedrige) Höhe eines BGEs sondern auch über Kürzungen und Pauschalisierungen kann der ursprüngliche Gedanke der dem BGE zugrundeliegt missbraucht werden. Daher bin ich immer auf der Hut wenn ich lese "alle Arten von Unterstützung".

Pro_BGE hat geschrieben:Und es wird weiterhin soziale Einrichtungen geben etc. Und wenn du mich fragst – mit einem BGE werden es diese Einrichtungen (Selbsthilfegruppen, Seelsorge etc.) viel leichter haben, weil, wenn jeder ein BGE hat, mehr Zeit für seine Mitmenschen haben wird.
Z.B. kann man mit anderen zusammen eine soziale Einrichtung aufbauen.

Das ist zu hoffen! Wobei sich der Staat hier evtl. noch weiter aus seiner sozialen Verpflichtung stehlen kann, wie er das jetzt schon an einigen stellen tut mit Profitorientierten privaten Sozialen Einrichtung (Stichwort Treberhilfe)... wobei ich hierzu noch keine wirkliche Meinung (pos/neg) entwickelt habe für mich.

Pro_BGE hat geschrieben:
Das sehe ich nicht so.
Ein BGE würde ermöglichen, die Erwerbsarbeit, die da ist, besser aufzuteilen.

Nunja das obliegt den Unternehmen. Würde heute ein BGE eingeführt, würden dem nachwievor die selben Unternehmer gegenüberstehen
mit ihrem Lohndumping, Zeitarbeitsausnutzung, etc. (um mal nur die negativ Beispiele zu nennen, es soll ja durchaus ehrenwerte Unternehmer geben =) Solange die Politik hier nicht weitere Bemühungen unternimmt um ordentliche Rahmenbedingungen zu schaffen wird sich da nicht viel ändern.

Pro_BGE hat geschrieben:Es gibt zahlreiche Studien, dass viele der Erwerbstätigen gerne weniger arbeiten würden; gleichzeitig haben wir eine hohe Arbeitslosigkeit.
Ein BGE würde ermöglichen, dass Arbeitszeit in Deutschland für den Einzelnen verkürzt werden könnte, ohne dass es für ihn finanziell nicht reicht.
Beispiel: Heute arbeitet jemand 40 Std. pro Woche, mit BGE arbeitet er 30 Std. pro Woche, durch das BGE als Basis hat er aber isges. nicht weniger zur Verfügung und Arbeitgeber können wieder mehr Mitarbeiter einstellen.

Wie gesagt, hier verbleibt ersteinmal der Apell an die gute Seele der Unternehmer.
Da würde ich mich an Daniel Kreutz Aussage anlehnen:
"Ausgeblendet bleibt dabei die Frage, wer sich die Rationalisierungsgewinne zu welchen Zwecken aneignet. Erwerbslosigkeit bedeutet einseitige Aneignung der Rationalisierungsgewinne durch die Arbeitgeber, bedeutet zwangsweise Arbeitszeitverkürzung auf Null für die „Freigesetzten“, damit die Arbeitszeiten der verbleibenden Beschäftigten hoch gehalten oder gar erhöht werden können. Die Alternative, die Rationalisierungsgewinne in Arbeitszeitverkürzungen für alle umzusetzen und damit Beschäftigung zu sichern und aufzubauen, kommt in der bGE-Philosopie nicht vor."
Auch hier muss wohl die Politik ran... was ja auch irgendwo vermutlich wieder bedeuten wird in arbeitspolitische Instrumente zu investieren.

Klaus Binder hat geschrieben:Nun muß aber der BGE-Betrag am Anfang nicht gleich 1000 Euro betragen. Man kann mit 0,00 € anfangen, und erstmal für jeden Bürger ein (eventuell eingeschränktes) kostenloses BGE-Konto einrichten.


Einerseits muss man irgendwo anfangen, vermutlich abgerückt von dem Wunschbetrag. Auf der anderen Seite ist jeder zu niedrig angesetzte Betrag nicht wirklich mit dem Grundprämissen des BGE vereinbar. Da kommt es dann wieder ganz auf die konkrete Umsetzung an und diejenigen die daran beteiligt sind. Wenn man den ein oder anderen regierenden Politiker hört, kann man schon seine Zweifel bekommen ob mit den zugrundeliegenden Menschenbildern die aufrichtige Entwicklung eines möglichen BGEs gewährleistet bliebe.


Nunja ich wollte ja nur andeuten das dieses Bildchen etliche Wirkungszusammenhänge vorraussetzt, die weder durch dieses erklärt werden noch 100% so zutreffen müssen. Ich bin auch der Meinung das ein BGE finanzierbar sein kann, allerdings nicht ganz so eindeutig wie hier suggeriert wird anhand des BIldes =)
Riptide
 
Beiträge: 16
Registriert: Mi 18. Feb 2009, 18:22

Re: BGE-Finanzierung kinderleicht veranschaulicht

Beitragvon Klaus Binder » Do 4. Mär 2010, 14:07

Malzeit Riptide!

Na an Daniel Kreutz würde ich mich jetzt nicht orientieren. Allein, das Zitat enthält nur komisches:

Kreutz hat geschrieben:"Ausgeblendet bleibt dabei die Frage, wer sich die Rationalisierungsgewinne zu welchen Zwecken aneignet. Erwerbslosigkeit bedeutet einseitige Aneignung der Rationalisierungsgewinne durch die Arbeitgeber, bedeutet zwangsweise Arbeitszeitverkürzung auf Null für die „Freigesetzten“, damit die Arbeitszeiten der verbleibenden Beschäftigten hoch gehalten oder gar erhöht werden können. Die Alternative, die Rationalisierungsgewinne in Arbeitszeitverkürzungen für alle umzusetzen und damit Beschäftigung zu sichern und aufzubauen, kommt in der bGE-Philosopie nicht vor."

1. Leider spricht man immer von "Arbeitgebern" ohne die verschiedenen Sorten davon im Auge zu haben. Es gibt kleine Private, mittlere und Multinationale Privatgiganten. Ferner öffentliche, kommunale oder staatliche Arbeitgeber, dann stellen Parteien, Vereine und Verbände Arbeitgeber dar und schließlich Genossenschaften. Über die verschiedenen Sorten von "Arbeitsverhältnissen" gibt es anscheinend keine Statistiken?
Daß die "Rationalisierung" zu weniger Arbeitsplätzen für die einen und für mehr Arbeit für die anderen führt, hat mit der Rationalisierung nicht soviel zu tun. Die (einkommenslose) Arbeitslosigkeit erhöht den Druck auf die Erwerbstätigen, es handelt sich um einen "Zusatzvorteil" für "den" Arbeitgeber.

2. Bei der Arbeitszeiten unterhalb von 40h/Woche, ist es so, daß viele Bürger entweder Überstunden machen oder einen Nebenjob annehmen. Bei mittleren und höheren Einkommen kann man das Einkommen und die Arbeitszeit leicht halbieren, wenn es um die "gerechte" Verteilung von Arbeit ginge. Allerdings wäre es absurd und praktisch kaum durchführbar, die Leute an Überstunden und Nebenjobs zu hindern.

3. Die Arbeitszeit, wie alle Arbeitsbedingungen, wird durchaus von zwei Seiten ausgehandelt. Kreutz tut so, als handele es sich bei "Arbeitnehmern" um wehr- und willenlose Tiere, die es zu schützen gilt. Ein BGE verbessert die Verhandlungsposition der "Tiere", die Leute schützen sich selbst.

4. "BGE-Philosophie": Es ist ein bekannter "Trick" zu behaupten, daß mit einem BGE diverse anderen Probleme ungelöst bleiben. Es gibt BGE-Gegner, die den Mangel an Interesse für "Entwicklungshilfe" in der "BGE-Philosophie" konstatieren (und daher gegen das BGE propaganda machen).
Dadurch, daß "wir" uns auf die sichere Existenz der Menschen beschränken, verbreitern wir die BGE-Gemeinde (von liberal, grün, rot bis anarchistisch...). Ich halte jedenfalls nicht viel davon große Dinge zu versprechen, die bei einem BGE alle eintreten und dabei das Wesen der Sache aus den Augen zu verlieren: Die Arbeitslosigkeit ist seit über dreißig Jahren ein Problem, nicht weil die Leute sich langweilen, sondern primär, weil sie kein Einkommen haben, weil sie sich das Einkommen erbetteln müssen, weil sie als untätige "Hilfebedürftige" gezüchtet werden und so den Noch-Erwerbstätigen (und den Kindern) als Schreckgespenst im Nacken sitzen und die Verhandlungspositionen vieler Erwerbstätige erschüttern. Genau damit wäre Schluß. Alles weitere kann sein, muß aber nicht, kann dann jedoch auf der Grundlage einer gesichterten Existenz erkämpft und erstritten werden.


viele Grüße
Klaus Binder
Klaus Binder
 
Beiträge: 103
Registriert: Mo 30. Nov 2009, 15:30

Re: BGE-Finanzierung kinderleicht veranschaulicht

Beitragvon Pro_BGE » Do 4. Mär 2010, 18:43

Riptide hat geschrieben:Es ist ja kein Geheimnis das ein BGE auch beim neoliberalen Flügel auf seine Anhänger stößt und hier wohl eher ein Abbau an Sozialleistungen langfristig zu erwarten ist. Schaut man Richtung liberales Bürgergeld (FDP) dann fällt schonmal der Pauschalisierungsgedanke auf z.B beim Wohngeld, Krankenversicherung etc.. Und was Mehrbedarfe angeht für Kranke und Behinderte so findet man sowohl bei einem liberalen Bürgergeld als auch bei einem solidarischen Bürgergeld(Althaus) deren Erwähnung.

Stopp stopp stopp. Du wirfst alles durcheinander.
Wir redeten über das BEDINGUNGSLOSE GRUNDEINKOMMEN (BGE); und hierum geht es ja auch in diesem Thread ("BGE-Finanzierung kinderleicht veranschaulicht").

Das Liberale Bürgergeld der FDP ist kein bedingungsloses Grundeinkommen:

Es ist eine pauschalierte Hartz IV-Form. Es ist an Arbeitsverpflichtung gebunden.
Lehnt jemand eine Arbeit ab, bekommt er statt 10% (wie bisher bei ALG II) gleich 30% des Bürgergeldes gekürzt.

BEDINGUNGSLOSES Grundeinkommen heißt, dass es ohne jede Bedingung an jeden Bürger ausgezahlt wird;
das trifft beim FDP-Bürgergeld nicht zu.


Hier noch mal alle Kriterien eines (bedingungslosen) Grundeinkommens:


Ein Grundeinkommen ist ein

• allen Menschen individuell zustehendes und garantiertes,
• in existenzsichernder Höhe (Armut verhindernd, gesellschaftliche Teilnahme ermöglichend),
• ohne Bedürftigkeitsprüfung (Einkommens-/Vermögensprüfung),
• ohne Arbeitszwang und -verpflichtung bzw. Tätigkeitszwang und -verpflichtung

vom Staat ausgezahltes Bürgergeld. Weitere Einkommen sind anrechnungsfrei möglich. Alle genannten Kriterien kennzeichnen das Grundeinkommen als ein bedingungsloses.
Es gibt schlicht und ergreifend keine Bedingung für den Bezug des Grundeinkommens. Dadurch unterscheidet sich ein Grundeinkommen von einer Grund- oder Mindestsicherung.
Ein Grundeinkommen ist kein sozialpolitisches Projekt, welches versucht, Marktdefekte zu reparieren.
Es ist ein Projekt für mehr Freiheit, Demokratie und Menschenwürde. Es weist über die bestehende Gesellschaft hinaus.



Riptide hat geschrieben:Würde heute ein BGE eingeführt, würden dem nach wie vor die selben Unternehmer gegenüberstehen mit ihrem Lohndumping, Zeitarbeitsausnutzung, etc.

Ich hoffe du hast dir alle Kriterien eines BGEs aufmerksam durchgelesen.
Wenn ja, dann überleg mal – wie bitte soll es möglich sein, dass Unternehmer weiterhin Lohndumping betreiben können, wenn die Arbeitnehmer durch ein BGE nicht mehr lohnabhängig sind?
Das ist doch nur dann möglich, wenn ein BGE zu niedrig ist; aber dann ist es kein BGE (siehe Kriterien).
Wenn mir ein Arbeitgeber eine Beschäftigung anbietet, die unterbezahlt ist, sage ich „danke und tschüss“ mit meinem BGE im Rücken.
HEUTE geht das nicht – da sind viele Menschen auf jede miese Bezahlung angewiesen um über die Runden zu kommen.
Nicht zu vergessen, dass heute durch Hartz IV und dessen Sanktionsandrohungen Menschen in Niedriglohnbeschäftigungen gezwungen werden.

Riptide hat geschrieben:Einerseits muss man irgendwo anfangen, vermutlich abgerückt von dem Wunschbetrag. Auf der anderen Seite ist jeder zu niedrig angesetzte Betrag nicht wirklich mit dem Grundprämissen des BGE vereinbar. .

Stimmt. Wenn bei Einführung ein BGE nicht in der Höhe ist, dass es den Menschen die Lohnabhängigkeit nimmt, dann sind Mindestlöhne erforderlich, dass Arbeitgeber kein Lohndumping betreiben können.
Ist das BGE jedoch in der Höhe, dass niemand mehr lohnabhängig ist, dann ist ein Mindestlohn nicht mehr notwendig.

Riptide hat geschrieben:Da kommt es dann wieder ganz auf die konkrete Umsetzung an und diejenigen die daran beteiligt sind. Wenn man den ein oder anderen regierenden Politiker hört, kann man schon seine Zweifel bekommen ob mit den zugrundeliegenden Menschenbildern die aufrichtige Entwicklung eines möglichen BGEs gewährleistet bliebe.

Jeder einzelne von uns ist aufgerufen, an der Verwirklichung des BGEs mitzuwirken.
Wenn wir uns dessen nicht bewusst werden, können wir 100 Jahre warten bis das BGE kommt. Die Politiker, die jetzt im Bundestag sitzen, werden es uns bestimmt nicht bescheren.
Genauso wenig wie Krenz und Honecker die Mauer zum Fall gebracht haben.

LG Pro_BGE
Zuletzt geändert von Pro_BGE am Mo 26. Apr 2010, 16:56, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Pro_BGE
 
Beiträge: 631
Registriert: Mo 9. Feb 2009, 17:42

Re: BGE-Finanzierung kinderleicht veranschaulicht

Beitragvon Riptide » Mo 8. Mär 2010, 19:45

Pro_BGE hat geschrieben:Stopp stopp stopp. Du wirfst alles durcheinander.
Wir redeten über das BEDINGUNGSLOSE GRUNDEINKOMMEN (BGE); und hierum geht es ja auch in diesem Thread ("BGE-Finanzierung kinderleicht veranschaulicht").

Weder das Liberale Bürgergeld der FDP, noch das Solid. Bürgergeld von Althaus sind ein bedingungsloses Grundeinkommen:


Sry, da habe ich mich zugegebenermaßen ungeschickt ausgedrückt. Ich weiss schon welche Prämissen dem BGE zu Grunde liegen.
Wir haben ja (noch) kein BGE. Ein Schritt in Richtung einer politischen Verwirklichung eines solchen wird bedeuten das sich die unterschiedlichsten Parteien mit Konzepten beschäftigen werden. Selbst wenn es keine offensichtlichen Bedingungen gestellt werden wie z.B Arbeits- oder Tätigkeitspflicht so gibt es genug andere Möglichkeiten ein dann "bedingungsloses" Grundeinkommen zu verhunzen. Wie gesagt durch Pauschalisierungen oder anderweitigen Kürzungen bisheriger Sozialleistungen.
Hierin besteht der Missbrauch an der BGE-Idee (das wollte ich damit ausdrücken).

Das FDP-Bürgergeld und das Althaus-Bürgergeld erheben vielleicht nicht von sich selbst aus, den Anspruch ein bedingungslosen Grundeinkommens zu sein (zumal sie das ja auch nicht sind). Die Diskussion über sie findet aber eindeutig im Kontext eines solchen statt. Auf den meisten BGE Seiten findet man Referenzen zu diesen Modellen (hier zumindest mit differenzierter Sicht durch den Fokus des bedingungslosenGE). In den Print-Medien und deren Online-Ableger sieht dies anders aus. Es wird von Bürgergeld oder von Grundeinkommen geredet als neue Ansätze für u.a. soziale Gerechtigkeit.
Selten wird hier klar abgegrenzt zu oder hingewiesen auf ein BGE. Viele Leser scheinen das auch nicht wirklich abstrahieren zu können wenn man sich die jeweiligen Kommentare oder Foreneinträge durchließt. Dafür gesellen sich häufig dann auch BGE Befürworter hinzu und erweitern das Thema um die "Bedingungslosigkeit". Doch nicht allzuhäufig finden all die anderen Prämissen ihre Erwähnung.
Und da Helfen IMO auch solche Bilder wie hier nicht (erkenn es wieder aus genau solchen Threads) so richtig weiter. Denn unter "alle Arten von Unterstützung" (subsumieren) tut sich dann halt wieder sehr Wohl ein möglicher Missbrauch an der BGE Idee auf, hinsichtlich existenzsichernder Höhe.


Pro_BGE hat geschrieben:HEUTE geht das nicht – da sind viele Menschen auf jede miese Bezahlung angewiesen um über die Runden zu kommen.


Mit einem BGE können sie auch ablehen, aber die "miese Bezahlung" bleibt, da sich die Mentalität der Unternehmer nicht übernacht ändern wird. Vermutlich sinkt die Bezahlung gar noch, gerade da es auch etliche geben dürften die mit der Sicherheit des BGE im Rücken auch willens sind für noch weniger zu arbeiten. Schließlich ist es dann ja nur ein netter Hinzuverdienst.
Vielleicht ist das auch irrelevant, ich weiss es nicht welche Auswirkungen es haben wird auch auf ein BGE langfristig gesehen.

Pro_BGE hat geschrieben:Jeder einzelne von uns ist aufgerufen, an der Verwirklichung des BGEs mitzuwirken.
Wenn wir uns dessen nicht bewusst werden, können wir 100 Jahre warten bis das BGE kommt. Die Politiker, die jetzt im Bundestag sitzen, werden es uns bestimmt nicht bescheren.


Siehst du noch andere Möglichkeiten als das propagieren der Idee?
Aktive Partizipation scheint ja einwenig zu verpuffen (Petitionsanhörung, solls die jemals geben? - Smartmobs um das Thema in breitenwirksamen Formaten vorzuschalgen, hat ja auch erstmal nicht wirklich gekalppt. - BGE Sympathisanten via Erststimme wählen? ...hat da jemand mal nachgeschaut ob was bei rumgekommen ist?)

Klaus Binder hat geschrieben:Daß die "Rationalisierung" zu weniger Arbeitsplätzen für die einen und für mehr Arbeit für die anderen führt, hat mit der Rationalisierung nicht soviel zu tun. Die (einkommenslose) Arbeitslosigkeit erhöht den Druck auf die Erwerbstätigen, es handelt sich um einen "Zusatzvorteil" für "den" Arbeitgeber.

... das auch. Aber würdest du Rationalisierung und Automatisierung nicht als eine mögliche Ursache des Wegfalls vieler Arbeiststellen sehen? Das die Verbleibenden mit dem Damoklesschwert des Falls in die einkommenslose Arbeitslosigkeit sich zu fügen und leichter einbinden lassen, ist klar.



Sry wenn das hier jetzt total offtopic ausartet hehe.
Riptide
 
Beiträge: 16
Registriert: Mi 18. Feb 2009, 18:22


Zurück zu Allgemeine Diskussion * Aktuelles * Nachrichten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron